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Evangelische Kirchengemeinde Bad Breisig

 
    
       

Außenansicht

Architektur

Stummorgel

Patenglocke

Kunstwerke

Glossar

 

 

Christuskirche Bad Breisig

 

Außenansicht 

   
 

Bauzeit

Jeder Besucher, der etwas von Baustilen versteht, wird die Kirche sehr schnell in die Zeit reger Bautätigkeit kirchlicher Häuser einordnen — etwa um die vorige Jahrhundertwende — und liegt damit genau richtig.

Die Kirche wurde am 8. Dezember 1902 geweiht, nachdem die Gemeinde am Tag vorher Abschied genommen hatte von ihrem bisherigen Domizil, der Burgkapelle von Burg Rheineck bei Freiherrn von Bethmann - Hollweg.

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Christuskirche Bad Breisig

 

Außengestaltung

Die Außenansicht der Kirche wird geprägt von dem Wechsel zwischen Strebepfeiler und Fenster. Die Strebepfeiler gliedern sogar den 5/8 – Chorschluß. Als Baumaterial wurde über einem Bruchsteinsockel heimischer Tuffstein verwendet. Aus dem gleichen Material ist auch das Tympanon–Relief mit der Darstellung des Lammes Gottes. Über dem Kaffgesims der Turmtüre befindet sich in Höhe der Turmempore eine Rosette ohne bildliche Darstellung. Über dem Glockengesims ist seit 1963 eine Turmuhr angebracht.

Zwischen Turm und Kirchenschiff ist auf der Nordseite das Treppenhaus mit einer Wendeltreppe bis zum zweiten Geschoß mit dem Laufwerk der Uhr. Ein ähnliches Treppenhaus ist auch auf der Nordseite der Sakristei, wo sie die Sakristei mit Kellerraum, Orgelempore und Dachgang verbindet. Auf der Südseite, zum Gemeindehaus hin, ist die ursprüngliche Ansicht leider verstümmelt durch den Anbau des Gemeinde- und Pfarrhauses, die ganz als Zweckbauten errichtet wurden.

     

Architektur

   
Die Architektur der Zeit um 1900 zeichnete sich dadurch aus, daß sie keinen eigenen Stil hatte, sondern sich an frühere Bauformen anlehnte. So ist unsere Burgbrohler Kirche 1903 neu-romanisch erbaut. Die Christuskirche liegt uns, was den Baustil angeht, da etwas näher. Sie ist im neugotischen Stil erbaut. Man kann dies an den spitzbogigen Fenstern mit ihren Dreipässen im Bereich des Kirchenschiffes und den Vierpässen in der Vierung erkennen.  

Christuskirche Bad Breisig

 

Die meisten gotischen Kirchen haben den Grundriss eines Kreuzes. Das dazugehörige Querschiff ist in der Christuskirche nur angedeutet. Später dann wurde dieser Ansatz nach Südwesten in einem Verbindungstrakt zum Gemeindesaal hin verlängert als Erweiterungsmöglichkeit für die Kirche. Da dieses angedeutete Querschiff schmaler ist als das Kirchenschiff, ist die Vierung (in der Christuskirche der Altarraum) auch nicht quadratisch, sondern nur rechteckig. Man kann dies am Kreuzrippengewölbe sehr gut erkennen.

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Inneres der Christuskirche

 
Kreuzgewölbe der Christuskirche
     
Die Kreuzrippenkonsolen laufen im Kirchenschiff in verschiedenen Blattdarstellungen aus: Weinlaub und Eichenblätter. Dabei gleicht keine Blattdarstellung der anderen, ganz im Sinne mittelalterlicher Baukunst.In der Vierung lachen den Kirchenbesucher zwei Fratzen als Kreuzrippenkonsolen entgegen; sie sind dem mittelalterlichen Abwehrzauber nachgebildet.

Man glaubte, mit solchen Fratzen die bösen Geister fernhalten zu können. Die im Gemeindebereich befindliche Benediktiner-Abtei-Kirche Maria Laach ist mit ihrem Paradies ein besonders schönes Beispiel dafür.

 

Kreuzrippen-Fratze

     
Über dem Prediger jedoch wachen als Kreuzrippenkonsolen zum Kirchenschiff hin zwei andere Figuren. An der nordwestlichen Kreuzrippenkonsole finden Sie eine Eule, das Zeichen menschlicher Weisheit.
     
Neben der menschlichen Weisheit benötigt der Prediger die göttliche Eingebung; dafür findet der Betrachter an der südwestlichen Kreuzrippenkonsole einen Engelskopf als Sinnbild.

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Kreuzrippen-Engel

     

Typisch gotisch ist auch die Apsis, die in ihrer baulichen Gestalt aber wiederum ganz ungotisch ist. Von außen ist der 5/8-Abschluß gut zu erkennen. Innen jedoch ist der Blick auf die Apsisfenster größtenteils versperrt. Im unteren Teil der Apsis befindet sich die Sakristei, von der man früher auch die " Schwalbennest-Kanzel" erreichen konnte, die über der jetzigen Sakristeitüre angebracht war. Die Decke des Ganges zwischen Türe und Sakristei belegen dies. Die Türe selber war früher in der Mitte der Altarrückwand, durch eine großes Tuch verdeckt, das dem Altarkreuz als Hintergrund diente.

 

 

Christuskirche Bad Breisig

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Stummorgel

   

Orgelempore

Den oberen Teil der Apsis bildet die Orgelempore, die erst seit 1905 diese Funktion hat. Ein Plan des Presbyteriums, bei der Renovierung der Kirche 1977 die Empore fallen zu lassen und die Orgel direkt auf dem Boden der Sakristei aufzustellen, stieß beim landeskirchlichen Bauamt auf Widerstand und musste fallen gelassen werden.

 

 


Stumm-Orgelempore

So begnügte sich das Presbyterium bei der gleichzeitigen Orgel-Restaurierung damit, den vorderen Teil der Orgelempore zur besseren Optik nur etwa 35 cm abzusenken. Der hintere Teil der Empore mit dem alten Orgelgebläse blieb dagegen in seiner Höhe.

Der ungewöhnliche Standort in Zusammenhang mit einem gotisierenden Kirchenraum läßt sich relativ leicht erklären. Die Orgel wurde nicht für Niederbreisig hergestellt, sondern 1905 von der evangelischen Gemeinde Remagen erworben. Von der Größe her war die Turmempore, die an sich dafür vorgesehen war, zu klein. Die Apsis-Empore war die einzige Möglichkeit zum Aufstellen der Orgel.

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Die Stumm-Orgel

ist der Stolz der Gemeinde. Sie ist eine Orgel aus der Stumm-Dynastie aus Rhaunen -Sulzbach auf dem Hunsrück. Als die Orgel 1977 restauriert wurde, fand sich auf einer Pfeife die Jahreszahl " 1872".

 

 

Stummorgel Bad Breisig

Die Orgel entstammt also der Spätzeit der Orgelbaufirma Stumm, die fünf Generationen lang mit Erfolg tätig war und vor allem im heutigen Rheinland-Pfalz ihre Spuren hinterlassen hat. Der Orgelprospekt stammt aber offensichtlich nicht von der Firma Stumm, da ähnliche Prospekte bei den Stumm-Orgeln nicht nachweisbar sind.


1977 wurde die Orgel von der Firma Klais (Bonn) restauriert. Die letzte Restaurierung geschah 1997 durch die Firma van Vulpen aus Utrecht.

 
Stummorgel Bad Breisig
     
Unsere Orgel hat 13 Register: 10 Register im Manual und zwei Register im Pedal, sowie eine Pedalkoppel. Das höchste Register ist eine Dreifach-Mixtur mit 1 ¾'(Fuß) und die tiefsten Registern sind mit 16' im Manual das "Gedackt" und im Pedal der "Subbaß".   Stummorgel Bad Breisig

16'(=Fuß)" bezeichnet die Länge der größten Pfeife (für den tiefsten Ton) eines Registers, gemessen in Fuß (= ca. 30cm).Insgesamt hat die Orgel 624 Pfeifen, die durch eine mechanische Traktur zum Klingen gebracht werden. Von diesen 624 Pfeifen sind im Prospekt aber nur 27 zu sehen. Sie entstammen den Registern "Prinzipal 8' "und "Octav 4' ".  

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Patenglocke

   

Älter als die Orgel in unserer Kirche ist nur die sogenannte "Patenglocke". Diese kam 1953 vom "Glockenfriedhof" Hamburg, zu dem 1942 alle beschlagnahmten Glocken aus dem "kriegswichtigen" Material Bronze geliefert worden waren.

Da vor allem die alten Glocken durch das Ende des Krieges nicht mehr eingeschmolzen werden mußten, konnten sie nach dem Krieg den Eigentümern zurückgegeben werden. Die Glocken der Gemeinden im heutigen Polen konnten nicht mehr zurückgegeben werden, da diese Gemeinden nicht mehr existierten.

So wurden die Glocken an Gemeinden im Westen gegeben, die den größten Teil oder gar das gesamte Geläute (wie in unseren Kirchen) abgeben mußten. So bekamen wir eine "Patenglocke" aus dem Jahre 1601 aus Gnewin /Krs. Lauenburg in Pommern.

Die kleine Gebetsglocke und die große Sterbeglocke wurden 1953 durch die Firma Rincker in Sinn/Dillkreis zu dieser "Patenglocke" dazugegossen und auf diese abgestimmt. Die Inschriften der drei Glocken lauten:

"Dienet dem Herrn mit Freuden"

"Lobet den Herrn in seinen Heiligen"

"Erkennet, daß ich der Herr bin".

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Kunstwerke

   

Einen anderen Dreiklang in der Kirche bilden die Kunstwerke, die die Künstlerin Yrsa von Leistner 1979 als Stiftung eines Gemeindegliedes geschaffen hat: Am Ambo finden wir die Dreifaltigkeit. In den drei Strahlen nach oben hin sind die Flügel der Taube, dem Sinnbild des Heiligen Geistes, zu sehen. Sie verbinden Gott Vater und Gott Sohn mit ihren Schwingen. Die drei Strahlen nach oben und unten sind das Sinnbild der Dreifaltigkeit.

 
Dreifaltigkeit, Künstlerin: Yrsa von Leistner

Weil der ursprünglich auf dem Altar befindliche Leuchter nicht zu benutzen ist, wurde er in die Sakristei verbannt. Dieser Leuchter sollte in seiner Form von Posaunen ein Symbol der Brücke in das Jenseits bilden. Die Kerzen deuten dabei an, daß in der Ewigkeit das Licht ohne Docht und Öl brennt.

An der Altarrückwand befand sich das Nagelkreuz. Die Nägel, die durch Leib und Seele gehen, sollen diese in Licht verwandeln. Der Überwinder des Todes soll nur zu ahnen, angedeutet sein in den Strahlen, die aus dem Kreuz kommen.

So will die Kirche mit all ihren Einrichtungsgegenständen helfen, das Wort von der Liebe Gottes zu verkünden.

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Glossar

Ambo : Frühform der Kanzel, Lesepult vor den Chorschranken in (romanischen) Kirchen.

Dreipass : Aus drei Kreisabschnitten gebildete Maßwerkfigur.

Maßwerk : Unterteilung der Fenster, besonders des oberen Teiles. Fischblasenformen, wie in der Christuskirche, sind Kennzeichen der Spätgotik.

Strebepfeiler: Der Kirchenwand außen vorgelegte Pfeiler zum Abfangen des Gewölbeschubs (Druck des Gewölbes auf die Seitenwände).

Tympanon : Das oft durch bildliche Darstellung gefüllte Bogenfeld über einem romanischen oder gotischen Portal.

Texte: Lothar Alter

zur Detailbeschreibung der Apostelkirche Burgbrohl         Seite schließen